Angespült - Schlammige Stiefel

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Ufer des Darpat nahe Gaulsfurt, 13. Rondra 1042BF, 7:30 Uhr

Manchmal konnte sie verstehen, was das zwielichtige Gesindel dazu trieb sich in den Phexkünsten zu versuchen. Wenn sie sich nur an ihr rasendes Herz am letzten Abend in der Schänke erinnert, lag ihr wieder ein breites Grinsen auf den Lippen. Vermutlich hat es der alte Efferd nur gut mit ihr gemeint, ihr diese Information zuzuspielen. Vor allem nach der feierlichen Zeremonie mit ihrerer Mannschaft und den Gebeten am gestrigen Tag musste er sich doch wenigstens einen Tag lang milde stimmen lassen.

Als sie dort im düsteren Kloster der Ertrunkenen in sich gekehrt war, so nah an dem Ort der schrecklichen Schlacht an der Gaulsfurt, kamen ihr wieder die eigenen grausigen Erinnerungen an die Kämpfe in Perricum in den Kopf. Manchmal hatte Yanda das Gefühl das borongefällige Vergessen würde sie nie überkommen.

„Herr Efferd, wo führst du mich nur hin.“, dachte sie, während sich ihr golden gesäumter neuer Mantel zum dritten Mal in einem Dornengestrüpp neben dem Treidelweg verfing. „Weit dürfte es aber nicht mehr sein.“

„Etwa zwei Meilen gen Rahja, wenn das Ufer ein bisschen steiler wird. Ja genau bei den Granitfelsen im Norden. Da liegen von der alten Schlacht noch einige Trümmer- und Holzteile herum. Sieht fast aus wie ein großer Biberdamm auf dem steinigen Flussbett. Da hab‘ ich nachts schon öfter kleine Boote neben den Stromschnellen vor Anker liegen sehen. Aber verrat‘ das bloß keinem. Am Ende bekomme ich noch den Ärger und mit den Kerlen ist nicht zu spaßen. Ich habe mal gehört, dass sie einem Zollposten, der die Nase zu tief in ihre Angelegenheiten gesteckt hat, den ganzen Weg bis nach Darpatsteg hinter ihrem Boot hergezogen haben. Ich hab‘ den Kerl danach nie wieder gesehen.“

Alles was Yanda die Information von dem alten Fischer gekostet hat war ein großes Bier und einen kurzweiligen Abend bei etwas Würfelspiel. Sie war froh, dass keiner ihrer Matrosen auf die Idee kam sie in der alten Schenke anzusprechen. Der große Bogen den die „Besucher aus der Reichsstadt“ um den Tisch machten, schien den alt eingesessenen Gaulsfurtern aber ohnehin eher gefallen zu haben.

Das lauter werdende Rauschen des Wassers kündigte an, dass sie dem beschriebenen Ort langsam näher kam.

„Ich habe mir auch nichts vorzuwerfen. Ich habe niemanden angelogen und ich bin mir sicher, dass ich nichts Großes finden werde. Die Geschichten des alten Fischers klangen doch eher nach Seemannsgarn.
Und wenn ich doch was finde, umso besser, dann haben meine Frauen und Männer direkt ein Erfolgserlebnis, wenn wir das Versteck hochnehmen können.“
Ihre Hand spielte während ihres geistigen Monologs am silbernen Griff des Offizierssäbels herum.

Der Empfang der neuen Wächterin vom Darpat im Markt Gaulsfurt war tadellos gewesen. So hergerichtet hatte sie die Stege, den Kai und die kleine Zollstation bisher auf keinem ihrer zahlreichen Besuche als Offizieren gesehen. Die neue Junkerin Samia, schien ihre Leute im Griff zu haben und den Markt ordentlich voranzutreiben.
Sogar die Wappenschilde schienen neu gestrichen worden zu sein. Ein Detail, dass Kommandantin ganz besonders gefiel.

Auch beim Empfang in der Burg gab sich die Junkerin als ausgezeichnete Gastgeberin. Yanda konnte sich kaum vorstellen, warum Miria solche Probleme mit ihrer Familie zu haben schien.

Während sie in Gedanken schwelgte, hatten sich die steinigen Hänge am Nordufer der Flussbiegung in ihr Sichtfeld geschoben.
Mit frischem Tatendrang wagte sie sich vom ausgetretenen Pfad weiter an das flach abfallende Ufer.

„Hier irgendwo muss das doch sein… Ahh da hinten liegt doch ein ganzer Stapel Treibholz,da müsste...“ Flatsch.
Etwas pikiert schaute sie auf ihren mindestens zwei Spann im Schlamm versunkenen Lederstiefel.

„Den Göttern sei Dank kann mich hier gerade niemand sehen. Ich bin sicherlich die einzige Kommandantin der Perlenmeerflotte, die sich sowas hier antut.
Wie habe ich das noch gleich genannt: Ach ja, `die Seemannshaltung nicht verlieren`.“

Mit einem weiteren schmatzenden Schritt hielt Yanda inne.

„Da steht doch Jemand.“