Angespült - Leere Versprechungen

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Ufer des Darpat nahe Gaulsfurt, 06. Rondra 1042BF, 8:00 Uhr

Yanda nahm die Hand vom Griffstück ihres Säbels, als sie merkte, dass ihr Gegenüber keine Anstalten machte von seiner edlen Waffe Gebrauch zu machen.

“Efferd zum Gruße Euer Wohlgeboren von Rabenstock, ich bin Yanda von Gerben, Wächterin vom Darpat und damit erste markgräfliche Flußkapitänin.”

Nachdem sie auf etwa fünf Schritt herangetreten war, bemerkte sie, dass der Mann etwa ihre Körpergröße maß, aber gut und gerne 20 Götterläufe älter sein musste als sie selbst. Die Kommandantin wollte noch nichts über ihre eigenen Beweggründe preisgeben.

“Vielleicht weiß er mehr, als er vorgibt. In diesen unruhigen Zeiten ist alles denkbar, sogar bei einer solch traditionsreichen Nebachotenfamilie.”, dachte sie, bevor sie laut fragte: “Was treibt denn einen adligen Nebachoten wie euch an das Ufer meines Darpats? Noch dazu an einer so schlecht ausgebauten Stelle.”

Während sie das Gespräch fortführte, lugte sie immer wieder an dem Mann mit den silbernen Haarsträhnen vorbei und versuchte etwas in dem Treibholzhaufen hinter ihm zu erkennen. Jetzt wo sie näher an der Ansammlung aus zertrümmerten Beibooten und vermoderndem Holz stand war sie sich sicher, dass diese dort nicht zufällig angespült waren. Eine Art Fundament aus Steinen schaute stellenweise unter dem knapp anderthalb schritt hohen Gebilde hervor und bestätigte diese Vermutung.
Ihr abgelenkter Blick blieb auch Can nicht verborgen der sich verdutzt umblickte, aber nichts weiter auffälliges entdecken konnte.

“Nun ich erwarte wänigstens, dass ihr mich anblickt, wenn Ihr mich schon ätwas fragt. Ich habe mir doch heute morgän nicht umsonst den Bart gewichst.”, scherzte der beleibte Mann, während er weiter versuchte das Objekt der Begierde hinter sich zu entdecken. “Ich habe lädiglich aine kleine Andacht gehalten und meinen Trinkschlauch aufgefüllt. Ich hoffe nicht, dass ihr darauf an Eurem Darpat, wie ihr ihn nennt, Steuern verlangt..”

“Nein das ganz Gewiss nicht, Euer Wohlgeboren.”, die offenkundige Ahnungslosigkeit und Offenheit des Mannes wirkte auf Yanda entwaffnend. “Es ist nur so, ihr… Nun..” sie hielt kurz inne, bevor sie mit einem Lächeln fortfuhr, “Ihr steht direkt auf einem Schmugglerversteck. Da dachte ich ihr habt etwas damit zu tun. Seht her.”
Yanda ging einige nasse Schritte um den Mann herum und begann die Holztrümmer auf einer Seite zu entfernen.
“Ihr seid nicht zufällig mit einem Boot her gekommen?”, ächzte sie unter der Anstrengung.
Yanda wollte noch einmal ganz sicher gehen, dass sie in keine Falle stolperte.

“Nein ich mag das Reisen auf dem Wasser nicht sondärlich.”, die sonst recht heitere Miene verdüsterte sich als er die Frage leicht stockend beantwortete.
Mit einem Klatschen hievte die mittlerweile von Kopf bis Fuß mit feinen Matschtropfen besprenkelte Frau die letzte Planke beiseite, die noch zwischen ihr und dem Innenraum des vermeintlichen Verstecks stand. “Oh meine altän Augen sind wohl nicht mähr das was sie ainst waren, früher hätte ich das Värsteck auf 100 Schritt ausgämacht.” beide blickten auf einen Rund drei Rechtschritt großen Hohlraum, der feinsäuberlich mit groben Steinen ausgelegt und sogar mit einigen, von Außen nicht sichtbaren, Stützstreben versehen war.
Während auf beiden Gesichtern anfangs eine interessierte Verwunderung zu erkennen war, wandelte sich diese bei Yanda schnell in offene Enttäuschung.

“Tolle Schmugglar sucht ihr da, schaint nicht besonders gut für sie zu laufen. Wenn ich ätwas damit zu tun hätte, Yanda von Gärben, wäre dort nicht nur Unrat vorhandän.” Er sagte dies mit einem Tonfall, der die Lächerlichkeit ihrer Vermutung hervorheben sollte.
“Aber immerhin haben sie uns dän Wein dagelassen, liebenswärt von ihnen.”
Das geräumige Schmugglerversteck war bis auf einige leere Truhen, vermoderte Seile und zwei Flaschen mit einer unbekannten Flüssigkeit vollkommen leer.