Angespült - Kopf der Schlange

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Schmugglerlager in der Perrinmarsch, 13. Rondra 1042BF, 17:20 Uhr

“Das wäre dann wohl ich.”, mit einer leicht säuselnden Stimme erhob sich nun der am Tisch sitzende braunhaarige Mann mit dem streng nach hinten gebundenen Zopf und tiefen Geheimratsecken.

Vierzig Götterläufe musste dieser in etwa zählen.
Seine Kleidung war weder heruntergekommen noch verschmutzt und von deutlich besserer Machart, als die seiner Bandenmitglieder. Auch die Gesichtszüge stachen aus den umstehenden Personen hervor, hatten sie doch etwas fast schon exotisches und irgendwie unnahbares..

“Und wer kommt so spät noch ungebeten zu uns? Hat sich die Marine etwa verfahren?”, ein stärkeres Ausatmen durch die Nase quittierte seine Bemerkung.

“Wir sind genau da wo wir sein wollän und wärden euch jetzt ändlich das Handwerk lägen. Weisst du älende Wasserratte übärhaupt mit wäm ihr es zu tun habt?”

Als der Nebachot ansetzte in Griffreichweite des Anführers zu kommen drückte sich die Spitze eines Haumessers von der Seite auf seine Brust.
Der schwarzhaarige hässliche Bursche dem die Waffe gehörte, wurde ohne zu zögern vom Junker in eine kleine Keilerei mit dem Schwertknauf seines Säbels verwickelt.

“Hey hey hey, jetzt benehmt euch doch mal.
Alle beide.
Man kann doch über alles reden.”, beschwichtigend hob der hagere Anführer die Arme.

“Es gibt nichts mehr zu reden.
Die Sonderflottille liegt bereits vor Anker um euch nach Perricum zu bringen.”, Yanda trat nun auch einen Schritt nach vorne.

“Na so ein Zufall, da muss ich ja sowieso mal wieder hin. Das trifft sich gut.”, amüsiert musterte der Anführer die Kommandantin.
“Die Sonderflottille also. Und da schicken sie nicht mal die erste markgräfliche Flusskapitänin, tz tz…”

“Aber ich bin..”, der Kapitänin wurde abrupt das Wort abgeschnitten.

“Seid ihr euch denn ganz sicher, dass das der einzige Grund ist, warum ihr hier seid?”, mit langsamen Schritten ging der Zopfträger zu dem Baronssohn, der mit seiner feinen Kleidung sofort ins Auge fiel.

“Oder gibt es noch etwas anderes, worüber wir sprechen sollten?”, ruckartig hatte er den Jungen am Schopf gepackt und ein Messer blitzte an dessen Kehle.

“Halt! Seine Hochgeboren von Zackenberg steht unter meinem Schutz. Ihr werdet es nicht wagen ihm auch nur ein Haar zu krümmen!”, rief Bärfried mit bedrohlicher Stimme und stieß die blutende Schmugglerin beiseite, während er nun seinen Anderthalbhänder - der Enge geschuldet etwas umständlich - auf den Anführer richtete.

“Das wird nicht schwer, denn ich kenne gar keinen Hochgeboren von Zackenberg.”, ein dreckiges Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus.

“Oder meint ihr etwa den hier? Der hat mir gesagt, dass er Alrik Waldsaum heißt und auf der Suche nach einem Abenteuer ist.
Ein wirklich absurder Zufall, dass ich ihn bei Gaulsfurt aufgegriffen habe.”

“Das ist seine Hochgeboren Orwin von Zackenberg, Baronet von Zackenberg, jüngster Sohn seiner Hochgeboren Zivko von Zackenberg Bennstedt, Baron von Zackenberg, und ich werde ihn wieder zurück zu seinem Vater bringen, wo er hingehört!
So wahr mir RONdra helfe!
Also gebt ihn her, wenn Euch Euer räudiges Leben auch nur etwas lieb ist.”, knurrend warf der Ritter die Worte in die Hütte.

“Na also. Jetzt haben wir doch endlich eine Verhandlungsgrundlage.”, erwiderte der Anführer.

“Hier wird gar nichts verhandelt. Im Namen der Herrin Rondra gebt den Jungen frei!”

“Das wäre aber ein schlechter Tausch für mich.
Ihr müsst wissen, wir Schmuggler sind immer an einem guten Geschäft interessiert.
Hab ich nicht recht?”, demonstrativ schaute er zu seinem Gefolge, die die Bemerkung mit zustimmenden Gemurmel quittierten.
“Aber ich sehe Ihr seid noch nicht ganz überzeugt.
Ich will euch ein Angebot zur Güte machen. Aber wie alle guten Geschäftsleute verhandeln wir natürlich in einem kleinen Kreis. So fühlen sich alle wohler, denke ich.
Alle raus hier, außer Hanzo!”

Kurz schauten sich die Anwesenden überrascht an, bis sie sich langsam drängelnd Richtung Ausgang in Bewegung setzten.
Ein etwas kleinerer aber dafür umso kräftigerer Kerl packte sich in der Zwischenzeit den Jungen und blieb neben dem Tisch stehen.

“Ihr müsst eure Leute schon auch rausschicken, wir wollen uns doch in Ruhe unterhalten.”

Abwartend beobachtete der hagere Mann die drei Personen vor ihm.

Yanda trat nah an den Junker heran und schirmte ihren Mund mit der Hand ab, bevor sie ihm ins Ohr flüsterte.

Der Ritter jedoch ließ sein Auge zwischen den beiden verbliebenen Schmugglern hin und her wandern, ohne dass er seinen Anderthalbhänder senkte.

“Can passt du draußen mit den anderen auf, dass sich keiner von denen aus dem Staub macht?
Ich hör mir mal an, was er zu sagen hat.”, flüsterte Yanda dem beleibten Can zu.

Mit einem kurzen und einverständlichen Nicken bestätigte er die Aufgabe.

“Das ist wohl ohnähin Euär Los.” und stapfte nach draußen.

“Jetzt wird hier auch noch geflüstert!
Meine Großmutter hat ja immer gesagt: Wenn man es nicht laut sagen kann, sollte man es ganz für sich behalten.
Hanzo kannst du das glauben?” Übertrieben theatralisch rutschte der Zopfträger auf seinem Stuhl hin und her.

Mit einem weiteren Scheppern schloss sich die Tür der Hütte wieder.

“Seht ihr. Jetzt ist hier doch schon eine viel familiärere Atmosphäre.
Mit wem habe ich es denn überhaupt zu tun?”