Angespült - Das blutige Ende eines langen Tages

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Schmugglerlager in der Perrinmarsch, 13. Rondra 1042BF, 19:00 Uhr

“Was habt Ihr euch dabei nur gedacht? Wisst Ihr überhaupt wie gefährlich das war? Ihr hättet sterben können. Euer Vater wird nicht erfreut sein, soetwas zu hören!”, stellte Bärfried entschieden fest.

“Aber… Ich wollte nur .. Ich wusste ja gar nicht, dass das Schmuggler...und dann war es auch schon zu spät, außerdem...ach, das ist meine Sache...”, tiefes aber zum Teil aufmüpfiges Schluchzen unterbach die Ausführungen des Baronets immer wieder, bis kurz darauf sein Doppelkinn anfing zu zittern und er in einem Heulkrampf ausbrach.
“Es tut mir...”
Dann wieder wimmerndes Schweigen.

Yanda durchsuchte kurz die kleine Hütte nach Gegenständen, die für die gleich bevorstehende Festnahme nützlich sein könnten.

In einer modrigen Kiste hinter der Eingangstür fand sie neben zwei Fackeln, einer Öllampe und einem grobmaschigen Fischernetz auch einige Meter Seil.

Der Ritter kümmerte sich in der Zwischenzeit um den aufgelösten Adelsspross, womit er sichtlich überfordert wirkte.

“Bärfried, wir kümmern uns erst um die Festnahme des Gesindels, dann durchsuchen wir noch die Hütte nach wichtigen Hinweisen. Ihr wartet hier Euer Wohlgeboren. Bringt uns nicht noch mehr in Schwierigkeiten!” Erleichtert sich wieder etwas anderem als dem Jungen widmen zu können, nickte der Ritter und nahm das Seil von Yanda entgegen.

Mit zwei entzündeten Fackeln trat die Kommandantin entschlossen aus der Hütte in die mittlerweile hereinbrechende Nacht.

Etwa ein Dutzend Schritt entfernt konnte man um eine kleine Feuerstelle herum eine Menschenansammlung sehen. Ein weiteres Feuer am anderen Ende der Lichtung verriet, dass sich dort wohl ein weiterer Sammelplatz befand. Mit gedeckter Stimme wandte sich die Frau an Bärfried. “Ich würde vorschlagen du nimmst die Fackel, holst dir deinen Knappen und nimmst die Leute dort hinten gefangen. Sie schienen die Flucht ihres Anführers noch nicht bemerkt zu haben. Ich kümmere mich währenddessen mit Can und meinen Leuten um die hier.”

Bärfried nickte knapp: “Ist gut. Treiben wir dieses Gesindel zusammen und bringen sie nach Perricum, wo ihnen der Prozess gemacht wird!”

Trenner Perricum.svg

Allem Anschein nach erzählte Can den umstehenden Leuten gerade eine seiner alten Raufgeschichten in der er die Ehre seiner Familie, nein, seiner ganzen Sippe, verteidigt hatte, entgegen seines sonst so fröhlichen und harmoniebedürftigen Naturells.

Der Anlass dazu wurde bald offensichtlich, als neben der Feuerstelle ein bewusstlos im Dreck liegender Schmuggler zum Vorschein kam. Der Adjutant Nabhahat und der ältere Offizier der Perlenmeerflotte hatten nun auch bereits ihren Säbel gezogen und sammelten die Waffen der Schmuggler auf einem Haufen, während ihnen der Waffenknecht Gero Rückendeckung gab.

Anscheinend war die Situation hier nicht ganz so friedlich verlaufen wie in der Hütte.
Der Ritter rief seinen Waffenknecht zu sich, der der Aufforderung schnell nachkam und zusammen verschwanden sie in Richtung des anderen Lagerfeuers.

“Wir haben einen gerechten Tausch mit eurem Anführer ausgehandelt.”, mit fester Stimme trat Yanda an die Ansammlung um den Nebachoten heran.

Die Gesichter der Schmuggler hellten sich in freudiger Erwartung auf, als sie die Offizierin mit dem dicken Jungen näher kommen sahen. Yanda steckte die beiden Fackeln in den matschigen Boden und zog ihren verzierten Säbel aus der Scheide.

“Deshalb seid ihr alle im Namen des Markgrafen festgenommen.
Ergebt euch und es wird keiner mehr verletzt.”

Während der freudige Gesichtsausdruck bei allen Schmugglern wich, fielen die restlichen Reaktionen sehr unterschiedlich aus. Auch der nebachotische Junker schwankte zwischen abenteuerlichem Enthusiasmus und “Nicht noch mehr, ich könnte langsam mal einen guten Wein und etwas leckeres zu Essen vertragen.”

Zwei der Schmuggler hingegen zogen, als hätten sie es einstudiert, zeitgleich ein verstecktes Messer hervor und drangen auf den überraschten Offizier und den jungen Adjutanten ein, da sie in jenen wohl die schwächsten und somit die beste Gelegenheit zu einer gewaltsamen Flucht sahen.

Zwei weitere hechteten, als sie sahen wie entschlossen ihre Kameraden reagierten, zu den am Boden liegenden Waffen, die ohne den Offizier nun völlig unbewacht waren.

Ohne augenscheinlich den nötigen Kampfgeist in sich mobilisieren zu können, blieben zwei weitere der Schmuggler auf dem Boden sitzen.
Eine von den Sitzenden war die Frau der Can seine “nebachotische Schelle” verpasst hatte.
Diese griff blitzschnell nach einer der Waffen und warf das rostige Haumesser einer etwas Abseits stehenden Frau zu, die das zu spät mitbekam und in der Dunkelheit unbeholfen neben die zu ihr fliegende Waffe griff.

Dies nahm Yanda zum Anlass ihr direkt den Säbel auf die Brust zu drücken.

Can stürzte zum Waffenhaufen und machte mit seinem geschwungenen Säbel schnell klar, dass hier für die Zwei nichts zu holen war außer ein paar fehlende Finger.

Ein Schrei erfüllte die Senke und Yanda sah, wie ihr Adjutant rückwärts in den Matsch klatschte und sich unter Schmerzensschreien den Bauch hielt.
Yanda ließ von ihrer unbewaffneten Schmugglerin ab, die sofort das Weite suchte und eilte zum Offizier, der seinem Gegenüber gerade in diesem Moment eine tiefe Wunde am Schwertarm zufügte, woraufhin der Schmuggler sein Messer fallen ließ.

Die Kapitänin stellte sich schützend zwischen den messerstechenden Schmuggler und ihren Untergebenen.
Die Spitze ihres Offizierssäbels zitterte sichtlich, als sie einen Schritt auf den Gegner zuging. Dieser wägte die Situation noch kurz ab.
Da seine Gefährten allerdings unter anderem von Can in Schach gehalten wurden und auch keine Verstärkung aus anderen Teilen des Lagers zu kommen schien, machte er auf dem Absatz kehrt und rannte in die Nacht, was wohl ohnehin sein Plan gewesen war.

Das kurze Scharmützel war entschieden und der Offizier begann die Schmuggler nacheinander zu fesseln. Erst die zwei Waffenlosen bei Can, dann seinen Gegenspieler mit der blutenden Armwunde und schlussendlich noch die zwei am Feuer sitzenden.

Auch der von Can bewusstlos geschlagene war mittlerweile wieder ansprechbar, aber motorisch kaum fähig aufzustehen.

Yanda versorgte währenddessen notdürftig die Bauchwunde des kahlgeschorenen narbengesichtigen Jungen, der unablässig schmerzerfüllt stöhnte.

Nach einem kurzen Moment kam aus dem anderen Ende des Lagers auch der schwer gerüstete Ritter und sein Waffenknecht zurück, wobei ersterer zwei gefesselte Schmuggler hinter sich herzog.

“Da hinten liegt der Dritte.
Er wollte seine Waffe nicht niederlegen.
Er hat seine rondragerechte Strafe erhalten.”, niedergeschlagen berichtete er was geschehen war.

“Ein Vierter ist im Dickicht verschwunden, den sehen wir nie wieder.”, ergänzte Gero.

Sprachlos wurden die Beiden nach dieser Nachricht von allen angestarrt.

“Wir müssen ihn noch beerdigen, so verlangt es Boron. Lassen wir die Verbrecher lieber anfangen zu graben, ich will raus aus diesem Sumpf.”

Bärfried ließ kurz seinen Blick schweifen und sah die Anzahl an Verletzungen, im Besonderen stach da der Adjutant heraus.

Der Ritter, mit der auffälligen Augenklappe, rümpfte die Nase und blickte dann zu Yanda.

Mit besorgter Stimme sprach er sie an:
“Euer Adjutant scheint die Auseinandersetzung nicht so gut überstanden zu haben.
Soll sich mein Waffenknecht mal seine Verwundungen anschauen und versuchen ihm zu helfen?”

„Ich bitte darum.
Unser nächster Heilkundiger ist auf der Admiral.
Er wird es so kaum zurück bis zum Schiff schaffen.“, besorgt hob sie ihren Blick vom Verwundeten zu Gero.

Nachdem das Grab ausgehoben und die Hütte aller wichtigen Dinge entledigt war, trat die Gruppe auf beiden Seiten mit schweren Blessuren den Weg zurück zum Darpatufer an.

Unter der Führung einer der acht gefangen genommenen Schmuggler erreichte die Gruppe nach quälend langem Fußmarsch, der vor allem für die Verwundeten mit zunehmender Dauer lebensbedrohlich wurde, die Admiral Dozman.