Angespült - Bereit machen zum Ablegen

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Gaulsfurt, 06. Rondra 1042BF, 10:15 Uhr

Leutnant, wir brechen auf. Die Kommandantin erwartet Euch an der Admiral Dozman.”
Abgehetzt stürmte der lockige, junge Adjutant in die stickige, enge Stube der Zollstation.
Mit angestrengten, zusammengekniffenen Augen legte der erste Offizier die gerade begonnene Seite der Zollunterlagen zurück auf den Tisch vor sich und nickte dem Jungen mit der langen hässlichen Narbe, die so gar nicht in das unschuldige Gesicht passen wollte, zu.

Wegen seiner schlechten Augen war der knapp 30 Götterläufe alte Thoran noch nicht sehr weit gekommen. Bis zum Travia 1041, um genau zu sein.
Irgendwann müsste er sich eines dieser Sehgläser besorgen.

“Aber so schlimm ist es ja noch nicht..”, redete er sich nicht nur am heutigen Tag ein.
Hoffentlich wollte Von Gerben nicht zu genau über die Zollgeschäfte Bescheid wissen, so hatte er kaum etwas von den wirren Aufzeichnungen entziffern können.
Es war ohnehin höchst ungewöhnlich für die sonst sehr überlegte Kommandantin, so abrupt abzureisen. Irgendetwas schien vorgefallen zu sein.
Mit einem lauten Knarzen erhob er sich von dem wackligen Stuhl und folgte dem Adjutanten mit strammen Schritten zum Hafen.

“Zu!
Gleich!"
Immer wieder hörte man aus einem Gewirr an Stimmen das Kommando durch den Hafen des Marktes schallen.
Geschäftiges Treiben hatte den Kai in der letzten Stunde erfüllt und erregte auch bei der Bevölkerung einiges an Aufsehen.
Gaulsfurt war kein verschlafenes Örtchen, aber was hier vom einen auf den anderen Moment kurz nach der Mittagsstunde losgebrochen ist, war für das kleine Städtchen an der Reichsstraße III keinesfalls alltäglich.

“Zu!
Gleich!”

Ruderer waren in kleinen Gruppen zum stattlichen Flaggschiff der Sonderflottille geführt worden, die Matrosen brachen ihre Wachposten an der Zollstation ab und die Admiral Dozman wurde in Windeseile hergerichtet.

“Zu!
Gleich!”

Auch das außergewöhnliche, aber nicht gänzlich unbekannte Äußere des Junkers von Schönbartheim, der sich mit der mittlerweile wieder fein gekleideten Kommandantin am Hafen unterhielt, zog noch einmal mehr Schaulustige an.

Als wenig später auch noch zwei Reiter, augenscheinlich ein Ritter mit Knappe wie direkt aus den alten Sagen in die Stadt geritten kamen, mussten einige Gardisten gar dafür sorgen, dass diese noch durch eine kleine, schaulustige Menschentraube bis zu ihrem Ziel, der großen Bireme am Hafen, durchkamen.

“Ahh sehr schön, da seid Ihr ja Von Hardenstatt!
Wir sind bald fertig zum ablegen.”

Während Bärfried abstieg und seine Rüstung richtete gab Yanda einige Befehle an ihren beflissenen Adjutanten weiter.

“Ich habe Verpflegung für euch beide aufs Schiff bringen lassen. Ich denke das ist nach diesem Morgen mehr als nötig und so könnt ihr euch während der Fahrt die Zeit etwas vertreiben.”

Bärfried befestigte seinen Schaller an seinem Waffengurt, nickte dann der Kommandantin zufrieden zu und ging auf das Schiff. Gero der kurz stehen blieb und seinem Herrn zusah wie dieser - abermals in voller Platte - auf das Schiff ging schmunzelte. Erinnerte er sich doch noch an den sorgenvollen Blick Bärfrieds, als dieser in seiner Rüstung in dem kleinen Ruderboot des Fischers saß.

Aber Gero schwieg, denn wenn er eines in seinem Leben, welches nun gute 40 Götterläufe zählte, gelernt hatte, dann, dass man als Bürgerlicher die hohen Herren nie kritisierte und nicht vor aller Leute Augen und Ohren verbesserte oder bloß stellte.
Er würde also vielleicht auf einen günstigen Moment warten und seinen Herrn fragen ob es vielleicht nicht klüger wäre die Platte auszuziehen solang man an Bord des Schiffes war.