Alte Post - Untergetaucht

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„Ist da wirklich notwendig Onkel? Ich finde das klingt vollkommen überzogen!“

Gemeinsam waren sie ausgeritten um die Baustelle der künftigen Feste der Brachenwächter zu besichtigen, dabei war bisher noch wenig zu sehen immerhin hatte der Markvogt erst kurz vor dem Winter ersten Zusagen bei den Mitteln gemacht. Die Worte des jüngeren Ritters waren, wenn auch leise, sehr eindringlich vorgetragen, der ältere Ritter hingegen machte keinen Hehl daraus dass er beabsichtigte auf seiner Meinung zu beharren.

„Uns bleibt überhaupt nichts anderes übrig mein Junge! So oder so, sobald ich etwas in dieser Sache unternehme werde ich früher oder später zur Zielscheibe. Tue ich dies offen, ist es recht wahrscheinlich dass dieses Gezücht unsere Familie als Druckmittel gegen mich verwendet.“

Noch immer wollte der Jüngere es nicht einsehen und erst schon garnicht klein bei geben, doch lag dies eigentlich nicht an der offensichtlichen Wahrheit der Worte. „Aber das ist doch … es ist … total übertrieben! Wir können auf uns aufpassen, wir können uns wehren!“

Mit ruhiger, sachlicher Stimme schmetterte der Ältere den schwachen Einwand ab. „Du hast die Liste gesehen die ich erhalten habe. Keiner der Genannten steht noch in vollem Saft, sie sind alle längst im Herbst wenn nicht gar im Winter ihres Lebens angelangt! Alte Geweihte und alter Ritter auf ihren Höfen weit ab vom eigentlichen Geschehen. Sofern sie vertrauenswürdig sind, was ich hoffen muss, und darüber hinaus auch noch gewillt sind zu helfen, haben diese Leute nichts mehr zu verlieren.“

„Wunderbar eine graue Horde alter Tattergreise stellt sich den Schergen des Ra…“ Weiter sprach er nicht, auch wenn er sich sicher war nicht belauscht werden zu können. Lieber auf Nummer sicher gehen, vielleicht war es aber auch der Blick seines Oheim der sich offensichtlich ungern als Tattergreis bezeichnen ließ. „Schon gut, schon gut. Ich habe es ja verstanden! Aber muss ich ihnen wirklich mitteilen dass du Tod bist?“

Dort lag also der Hund begraben, sein Neffe wollte nicht der Bote schlechter Nachrichten sein, vor allem nicht wenn diese nicht wahr waren und er damit Menschen, Familienmitglieder, die er liebte unnötigen Schmerz bereitete. „Auch ich liebe sie und will sie nicht anlügen, aber ihr Schmerz, ihre Unwissenheit wird sie hoffentlich schützen.“

„Also gut, aber ich tue das nicht gern.“ Gab er letztlich klein bei.

„Wenn das geklärt ist, lass uns aufbrechen es wird Zeit das ich mein Verschwinden inszeniere!“ Seinem Neffen aufmunternd auf die Schulter klopfend, machte sich der alte Ritter auf den Weg zu seinem grasenden Pferd und schwang sich in den Sattel. Gemeinsam ritten sie von der Anhöhe hinunter und machten sich auf den Weg nach Avesruh. Schweigend verstrichen die ersten Minuten, bis schließlich der Alte erneut das Wort ergriff: „Ich muss dir noch ein paar Dinge sagen, wichtige Dinge! Wann immer es etwas zu berichten gibt oder ich womöglich Geld brauche werde ich dir schreiben, die Briefe werden von Barnabas von Rebhofen kommen. ...“ Anschließend beschrieb er ausführlich in welcher Form er im Brief kodieren wollte, dass diese Zeilen tatsächlich von ihm stammten und war erst zufrieden als es dreimal korrekt wiedergegeben werden konnte. „... Ein letztes noch und auch das ist sehr wichtig. Blut und Name verbindet, solltest du je Hilfe benötigen wird niemand, mit dem du auf diese Weise verbunden bist, dir diese ausschlagen. Niemand!“

Der Jüngere konnte kaum glauben was er dort hörte. Wenn dem so war, hatte sein Oheim soeben einen Teil seiner Selbstwahrnehmung auf den Kopf gestellt. Bisher war er davon ausgegangen das der garetische Zweig für sich allein, Unabhängig vom restlichen Haus, stand. Jetzt aber erfuhr er, so ganz nebenbei, das sein Onkel in Verbindung zum Haupthaus stand. „Soll das etwa heißen das ich, wenn nötig, Hilfe aus den Nordmarken erhalten würde?“ Frage er deshalb skeptisch.

„Von dort, genauso wie von überall wo wir sonst Angehörige haben. Achja, wenn die Lage wirklich brenzlig wird, schicke neben dem Brief in die Nordmarken auch einen an den Gesandten des Herzogs in der Rommilyser Mark.“ Fragend schaute der jüngere Ritter zu seinem Onkel, wieso bitte sollte er dem Gesandten des Herzogs schreiben? Hatten sie plötzlich auch zum Herzogenhaus Kontakte? Den verwirrten Blick ignorierend erklärte Bardo die Hintergründe für seinen Rat. „Die Mark ist wesentlich näher als die Nordmarken und der Gesandte ist mit unserem Familienoberhaupt verheiratet.“

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Für alle sah es so aus als wäre der alte Ritter von einer Kreatur der Brache angegriffen und verschleppt worden, doch Reichsritter Leubrecht von Vairningen wusste es besser. Sein Onkel hatte seinen Tod fingiert und war abgetaucht. An ihm jedoch war die Bürde hängen geblieben seine Familie über den vermeintlichen Tod Bardos zu informieren, ebenso wie die Burggräfin Irmhelde von Luring-Rabenmund der er momentan diente und dem Grafenhof zu Reichsforst, an dem er fast vier Dekaden als Hausritter treue Dienste getan hatte.  

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Texte der Hauptreihe:
K5. Untergetaucht
K7. Flucht
Phe 1042 BF
Untergetaucht
Zugestellt

Kapitel 6

Untergetaucht
Autor: Vairningen