Allianzen und andere Katastrophen - Blumen welken!

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Praioreth, Hinterzimmer eines Gasthaus, später Abend des 21. Travia 1030 BF

Eine Münze nach der anderen wurde auf dem Tisch abgezählt, argwöhnisch von den am Tisch Sitzenden begutachtet. Odilbert von Windischgrütz ging im Zimmer umher. Er schaute seinen Vetter Leobrecht an, welcher die Münzen leise zählte, und blickte dann den gegenübersitzenden Blumenauer ungeduldig an. „Ich denke, dass dieser Betrag ausreichend sein sollte! Findet Ihr nicht, dass Eure Verdienste damit ausreichend gewürdigt wurden, Blumenau?“ Der so Angesprochene erwiderte ernst: „Wenn Ihr dies meint, Euer Wohlgeboren.“ „Ihr werdet mir doch Recht geben, dass dieser Krämer Geismar nicht die Grafenkrone tragen darf?“ fragte Odilbert sein Gegenüber. „Der Grafenkonflikt hat in Natzungen bisher nicht interessiert. Mir ist es eigentlich ziemlich egal.“ Odilbert war ein wenig verunsichert, ob sein Plan aufgehen würde: „Hartsteen für Hartsteen! Dies ist unser Motto.“ „Ja, so ist es, euer Wohlgeboren.“ Odilbert ging im Zimmer immer noch auf und ab. „Mein Vetter Bodebert hat von seiner Hochwohlgeboren Luidor die Baronie Natzungen zum Lehen bekommen.“ Sein Gegenüber wirkte ungeduldig. „Das weiss ich alles. Was wollt ihr?“ Odilbert schnaubte verächtlich. Er hasste es, wenn man ihn unterbrach. „Nun, diese Tanira von Natzungen hat sich zur Baronin von eigenen Gnaden gemacht. Dies an sich wäre noch nicht so schlimm. Schlimmer ist, dass diese Hure sich an den Meistbietenden verkauft hat. Damit ist doch wohl klar, dass sie sich nicht einen Deut um die Belange Natzungens bemüht.“ „Sie beruft sich immer noch auf das Erbrecht.“ Odilbert schrie sein Gegenüber nun an: „Sie ist nicht die rechtmäßige Baronin! Nur das zählt!“

Leobrecht von Windischgrütz, der bisher dem Gespräch teilnahmslos gefolgt war, mischte sich nun ein: „Was mein Vetter sagen möchte, ist, das Tanira eine eheliche Abstammung bisher nicht nachweisen konnte. Demnach ist sie ein Bastard und somit nicht erbberechtigt.“ Der Blumenauer schaute die beiden Windischgrütz ungerührt an: „Und was hat die Familie Blumenau damit zu tun? Ihr habt uns für den Angriff auf Natzungen bezahlt. Ich denke wir sind damit fertig.“ Der Blumenauer erhob sich. „Setzt Euch!“ befahl Odilbert. Als der Blumenauer Odilbert musterte, warf Leobrecht beschwichtigend ein: „Wollt Ihr Euch denn nicht unseren Vorschlag anhören?“ Langsam setzte sich der Blumenauer. „Na dann bin ich mal gespannt!“

„Versteht mich nicht falsch, aber es ist nun einmal so, dass sich die Natzungerin ins Bett des Schwingenfelsers verkrochen hat.“ begann Odilbert. „Dies hat natürlich für meinen Vetter Konsequenzen. Es war nie Absicht der Familie Windischgrütz, Natzungen in die Natterndorner Fehde hineinzuziehen.“ Der Blumenauer schaute skeptisch. „Was hätten wir davon? Unsere Absicht war es nur, Bodeberts Anspruch als Baron zu schützen.“ Odilbert holte einen Brief hervor. „Wenn Ihr mir nicht glaubt, dann schaut Euch diese Korrespondenz zwischen Bodebert und seiner Hochwohlgeboren Luidor von Hartsteen an.“

Leobrecht von Windischgrütz schaute betreten zu Boden. Er hatte seinem Vetter von diesem Schwindel abgeraten. Und wenn Bodebert davon erfahren würde, dann wäre das vermutlich das Ende von Odilbert und seinen hochtrabenden Plänen. Insgesamt schien ihm das Ganze zu unsicher, aber Odilbert ließ sich von seinem Vorhaben nicht abbringen. Nun schaute er auf und leise sprach er den Blumenau an: „Ihr seht, dass es der Familie Windischgrütz Ernst bei dieser Sache ist!“ Wortlos reichte der Blumenauer den Brief zurück und schaute die beiden fragend an. Odilbert triumphierte innerlich, dass dem Blumenauer die Fälschung nicht aufgefallen war.

„Mein Vetter steht nun vor dem Problem, dass Tanira den Schwingenfelser und damit Graf Geismar in diese Auseinandersetzung hinein gezogen hat. Der Familie Windischgrütz wäre daran gelegen, die Zusammenarbeit mit der Familie Blumenau zu verlängern – natürlich zum Wohle der Baronie Natzungen.“ „Und was hätten wir Blumenauer davon?“ Leobrecht von Windischgrütz öffnete eine Kiste, welche rechts neben ihm am Boden stand und holte daraus fünf schwere, klimpernde Säcke hervor, welche er auf den Tisch stellte. Odilbert stand nun an der Seite des Blumenauers: „Was sagt Ihr?“ Der Blumenauer schaute auf den Tisch. Odilbert wanderte wieder auf das einzige Fenster im Raum zu und nickte seinem Vetter zu, welcher daraufhin weitere drei Säcke aus der Kiste hervorholte. Odilbert schaute aus dem Fenster. „Lasst Euch ruhig Zeit mit Eurer Entscheidung!“ Der Blumenauer räusperte sich kurz. „Wenn das alles sein soll, dann lautet die Antwort: Nein!“ Odilbert drehte sich auf den Absätzen um und schaute den Blumenauer ungläubig an. ’Wie kann es dieser Bastard wagen?’ Herausfordernd schaute der Blumenauer Odilbert an. „Wenn Ihr die Unterstützung meiner Familie wollt, dann wollen wir ein Mitspracherecht!“ Odilbert war irritiert. „Nun, das sollte doch überhaupt kein Problem sein. Das habt Ihr ja sowieso. Also sind wir uns doch schon handelseinig.“ Er streckte seine Hand aus. „Nein! Ich will eine Garantie dafür!“

Leobrecht gefiel das Ganze nun überhaupt nicht mehr. Diese Fälschungssache war schon höchst bedenklich. Eigentlich war diese ganze Fehde bedenklich. Aber jetzt wollte der Blumenauer auch noch ein Stück vom Kuchen. Das würde seinem Bruder Bodebert überhaupt nicht gefallen. In seinen Gedanken versunken, vernahm er die Stimme des Blumenauers nur noch gedämpft. Die Rede war vom Schwingenfelser und von der Natzungerin. Von der Tatsache, dass sich die zwei die Baronie unter die Nägel gerissen hatten. Sein Vetter zeigte sich überzeugt, dass man den Zweien den Prozess machen müsste. Eventuell sogar direkt zu Boron schicken. Leobrecht war schockiert. Odilbert und der Blumenauer schmiedeten Pläne, welche ihm nicht behagten, aber offensichtlich gelang es Odilbert den Blumenauer davon zu überzeugen, dass ein Bündnis von Vorteil war. Allerdings beharrte der Blumenauer darauf, ein Mitspracherecht zu bekommen. Leobrecht riss sich zusammen. „Nun, ich denke, dass wir dieses Bündnis durch eine Heirat besiegeln sollten!“ hörte er den Blumenauer sagen. „Wie die wohlgeborenen Herren wissen, ist mein Sohn noch unverheiratet. Daher schlage ich die Hochzeit zwischen Bodeberts Tochter Haldora und ihm vor! Damit wäre auch unser Mitspracherecht gesichert.“ Leobrechts Gedanken rasten. Bodeberts Lieblingstochter als Faustpfand für das Bündnis. Zumal die Wahrscheinlichkeit hoch war, dass Haldora sogar die Baronie erben würde. Leobrecht erhob sich: „Nun, ich denke, dass wir dies…“ „Einverstanden!“ warf Odilbert dazwischen. Leobrecht schaute seinen Vetter ungläubig an. Dieser fuhr ungerührt fort: „Allerdings bedingen wir uns aus, dass die Hochzeit erst dann stattfindet, wenn der Schwingenfelser und diese Hure Tanira tot oder gefangen sind. Einverstanden?“ Der Blumenauer nickte und ehe Leobrecht sein Veto verkünden konnte, schlugen der Blumenauer und Odilbert ein.

Kurze Zeit später standen Leobrecht und sein Vetter allein im Raum. „Was denkst Du Dir dabei, hier Komplotte zu schmieden? Das wird böse enden.“ Odilbert schaute ihn ernst an. „Momentan müssen wir leider Abstriche machen. Wir brauchen die Blumenauer zur Unterstützung. Man könnte sagen: Im Moment blühen die Blumen!“ Odilbert musste über seinen schlechten Witz lachen. „Du glaubst doch nicht, dass Bodebert einer Hochzeit seiner Lieblingstochter mit einem Blumenau zustimmt?“ fragte Leobrecht erbost. „Nicht wirklich!“ Leobrecht wirkte erstaunt. „Und wie gedenkst Du dann, diesen Forderungen nachzukommen?“ Odilbert schaute seinen Vetter ernst an. „Nun, wir befinden uns in einem Krieg. Und im Krieg sterben Männer und Frauen – früher oder später. Die arme Haldora wird es verkraften, wenn ihr Verlobter in der Schlacht fällt.“ Leobrecht schaute ihn zweifelnd an. „Und wenn er nicht stirbt?“ Odilbert schaute ernst zurück. „Dann werden wir eben nachhelfen. Blumen welken irgendwann!“ Leobrecht gefiel die ganze Angelegenheit überhaupt nicht. Seine Zweifel an dem Vorhaben hatte Odilbert nicht beseitigen können.

-ENDE-

Texte der Hauptreihe:
K5. Blumen welken!
21. Tra 1030 BF
Blumen welken!
Angriffsziel: Raulsmark

Kapitel 5