Allein in der Brache

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Garetien, Dämonenbrache, Nahe Zwingstein, 30. Praios 1040 BF

Sol irrte verletzt durch das Dickicht des Waldes der Dämonenbrache, es schien sich immer noch unheimlich zu bewegen, besonders wenn man gerade nicht hinschaute. Die Schatten hier bewegten sich nicht so wie sie sollten und die Äste der Bäume schien nach ihm zu greifen, zumindest hatten sie seinen Wappenrock schon gänzlich zerissen, das heisst das was davon noch übrig war.
Der Knappe hatte zu jenen Wallfahrern gehört, die mit dem König der Ritter Danos die Wildermark bereist hatten uch zuletzt an dessen Seite in Tobrien gekämpft hatten. Dementsprechend hatte er sich auch denen angeschlossen die Graf Danos‘ Leichnahm nach Garetien zurück brachten.
In das gerade Haffax eingefallen war und alles zur Schlacht bei Zwingstein geführt hatte. Auch dort hatte er gekämpft, ein junger Mann seines Alters. Die seinen waren unter der Führung der Ochsenbluter Burggräfin und ihrem Seneschall in die Schlacht geritten und zum Teil abgedrängt worden. Weit in die schreckliche Brache hinein, auch die Burggräfin, die den Kaltensporn schwingend eine Figur auf dem Felde abgegeben hatte, die man ihr vor wenigen Jahren noch nicht zurgetraut hätte.

Wie dem auch war sie alle hatten sich in der Brache weiteren Lästerlichkeiten zu stellen, unaussprechlich und sein Geist bewahrte ihn vor den Bildern mit einem Schleier des Vergessens, Boron sei Dank, andernfalls wäre er nun wohl schon dem Wahn anheim gefallen. Denn die Kämpfe in der Brache hatten sie weiter auseinander gerissen und sich in dem finstren Forst verirren lassen. Die Angriffe dieser Bestien hatten zwar nachgelassen, doch der Wald hatte ihrer Seele geschadet, man konnte es spüren. UND sein letzter Gefährte war gestern seinen Wunden erlegen. Sie hatten sich alle auf die Suche nach der Burggräfin gemacht oder zumindest nach einem Ausweg aus der Brache. Doch hatten sie mit beidem keinen Erfolg gehabt, im Gegenteil sie waren immer weiter dezimiert worden und nun war nur noch er da, ein einfacher Knappe, allein in dieser Götterlästerlichen und feindlichen Umgebung. Und nicht nur das, es fehlte an geniessbarem Essen und Wasser, die meisten Früchte, Quellen und gar Tiere hier waren seltsam verändert und schmeckten nach Fäulnis. Sol betete zum Herrn Praios, dass ihm dieser endlich einen Ausweg oder den Tod schenken könnte, er hatte wahrlich genug für die Götter gekämpft, doch wollte er auch nicht an einem solchen Ort verenden. Doch nichts geschah, als er die Augen wieder öffnete, sich erschöpft wieder aufrichtete und den Blick gen Himmel richtete, der aber durch das dumpf wirkende Blatt- und Astwerk der kranken Bäume größtenteils verdeckt wurde. Es war vermutlich später Nachmittag, am … Er hatte keinen Schimmer, wie lange er jetzt schon hier rum irrte. Es konnten Tage sein, vllt sogar eine Woche oder mehr. Wie die Schlacht wohl geendet war? Das mochte er sich nicht ausmalen, wenn sie verloren hatten…vielleicht war es dann doch besser hier zu enden. Er vertrieb den düsteren Gedanken durch ein weiteres Stoßgebet. Müde wandt er danach den Kopf, ein schwacher Sonnenstrahl fiel ihm aufs Gesicht, er genoss ihn. Dann war er wieder fort. Und als sich die hellen Flecken in seinem Blickfeld wieder verflüchtigten fiel sein Blick unvermittelt auf einen großen, knorrigen, aber anscheinend gesunden Baum in weiter Ferne, mitten in der Brache. Ein Stück heiliger Boden inmitten des Horrors? Es zog ihn magisch an. Doch je mehr er sich dem Baum näherte verspürte er wieder dieses Unbehagen und die Schatten huschten umher und in ihnen kreuchte das Grauen, das fühlte er und seine Nackenhaare stellten sich auf. Er begann zu rennen, die Schatten auch. Er hastete, achtete nicht mehr auf seine Umgebung. Er rannte nur noch. In der Hoffnung der Baum könnte ihm Schutz sein. Doch die Schatten wurden schneller als er und griffen unverholen an ihm, ihre Klauen, Hände und Tentakel griffen nach ihm, rissen ihm das Fleisch, während er unaufhörlich rannte. Mit einem Satz sprang er auf den Baum zu, verlor dabei sein Schwert, die Schatten griffen erneut nach ihm, er griff im Moment seines erwarteten Todes nach etwas am Boden und riss es vor den Schatten in die Höhe, es riss eine Loch in die Schatten, welche augenblicklich davon wichen und sich zurück dahin verzogen woher sie kamen, ins Dunkel.

Sol selber starrte ungläubig vor sich hin und dann fiel sein Blick auf den Gegenstand in seinen Händen – der Kaltensporn! Sol warf sich herum, doch hinter sich erblickte er nur das freigelegte Wurzelwerk des Baumes. Enttäuscht wollte er sich abwenden, als ihn plötzlich etwas aus dem Inneren des Wurzelbaus heraus anknurrte wie ein verletztes Tier. Etwas pelziges regte sich darin, so dass Sol – erneut eine dieser Bestien erwartend – aufsprang und den Sporn herumriss. Doch das Wesen war schwach und am Ende seiner Kräfte. So näherte er sich ihm wieder und versuchte einen besseren Blick durch das Wurzelwerk zur erhaschen, immer wieder knurrte es, doch klang es seltsam vertraut und menschlich. Sol umschlich den großen Wurzelkäfig, auf der Rückseite gab es eine minimal größere Öffnung, durch die er sich langsam hervor ins Innere wagte. Er konnte hier drin nur schlecht sehen, doch bemerkte wie das am Boden liegende Fellbündel schwer atmete. Mit Bedacht näherte er sich dem pelzigen Etwas und berühte es leicht. Woraufhin es auffuhr und ihn in einer Mischung aus Brüllen und Schreien anging. In der Enge der Wurzelhöhle konnte er den Speer nicht recht aufbringen und das Wesen warf sich auf ihn, mit letzter Kraft, denn brach es kurz darauf auf ihm zusammen. Er verharrte, doch es geschah nichts, also drehte er es von sich herunter, so dass es auf dem Rücken lag. Etwas fahles Licht fiel durch einen Schlitz auf das Gesicht seines Angreifers – es war sie Burggräfin. Sol erschrak und war sich nicht sicher ob er sie weiter nach draußen ins Licht ziehen wollte. Erneut sendete er ein Stoßgebet gen Alveran und rang sich dann doch dazu durch, die Lage draußen abschätzend, es war ruhig. Also packte er die Burggräfin und zog sie hinaus ins Licht. Zu seiner Erleichterung sah die Eberstammerin so aus wie stets, nur war sie sehr mitgenommen, ihre Augen blutunterlaufen und sie war in einen enormen, mies ausgeschlagenen Pelz gehüllt, vielleicht der eines riesenhaften, weißen Bären. Sol betrachtete dies mit Argwohn, als die Burggräfin plötzlich wieder ihre Augen aufriss, das Braun ihrer Augen war sehr dunkel, dunkler als er es kannte und es hatte sich ein Stich rot darunter gemischt. Sie starrte ihn an und er meinte, dass sie ihn erkannte. Und tatsächlich sprach sie zu ihm: „Sol? Sol von Isppernberg? Knappe, bist du es?“ Sol nickte aufgeregt und konnte spüren wie ihm diese unverhoffte Begegnung neue Kräfte brachte. „Ja, Euer Hochwohlgeboren.“ Ein grimmes Lächeln überkam ihr Gesicht. „Sein Grimm und seine Kälte sind immer noch bei mir.“ Sol wusste nicht von wem die Burggräfin sprach „Euer Hochwohlgeboren, ich verstehe nicht ganz, vielleicht solltet ihr Euch ausruhen. Ich bereite ein Lager und kümmere mich um das Nötigste. Gemeinsam schaffen wir es aus diesem niederhöllischem Forst, doch jetzt ruht Euch aus.“ Erneut lächelte sie grimmig: „Natürlich werden wir das, wir sind die Wildnis, mein treuer Knappe, reicht mir den Sporn.“ Mit einem erneuten Anflug von Skepsis tat er wie ihm geheissen, die Eberstammerin nahm den Speer und richtete sich langsam daran auf. Sie wirkte gewachsen, wenn auch schwach. „Nun mach schon!“ Und Sol riss seinen Blick von dem Anblick fort den die Gestalt vor ihm bot los, sammelte sein Schwert auf und machte sich vorsichtig auf etwas Feuerholz zu sammeln, als er im Unterholz über die toten Körper mehrer dieser daimoniden Bestien stolperte, alle schwere Wunden, verursacht von einem Stoßspeer. Die Burggräfin musste sie alle erlegt haben.

Tage später wurde der tapfere Knappe Sol von Isppernberg, der die verschwundene Burggräfin zurückgebracht hatte, auf Schloß Kaltensporn zum Ritter geschlagen, von einer Burggräfin, die man kaum wiedererkannte. Hatte sie sich seit dem Ritual am Ochsennaß doch schon verändert, gab sie nun ein gänzlich anderes Bild ab. Aufrecht, stolz und grimm, gehüllt in einen prächtigen weißen Pelz den Kaltensporn in der einen Hand, das Schwert, mit dem sie Sol zum Ritter schlug, in der anderen. Grimmig lächelte sie erneut, wie vor Tagen im düstren Forst: „Sol von Isppernberg erhebe dich als Ritter Ochsenbluts im Zeichen des grimmen Gottes.“