Alba brevis Aurium

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Anfang Rahja auf der Helburg.

Denderan schritt gemessenen Schrittes in den großen Saal der Helburg. Sein Herr der Höllenwaller hatte ihn einbestellt nachdem er aus Greifenfurt zurückgekehrt war. Und offenbar brachte er schlechte Laune mit, sehr schlechte.

Dem Hofkaplan und Tempelvorsteher war es trotzdem nicht bange, er hatte sich nichts zu Schulden kommen lassen. Entgegen besagten die Gerüchte innerhalb der Familie, welcher er nun dank seiner Gemahlin Malona-Mora immer erfuhr, vom Versagen Malphias, vielmehr dessen Helfer in einer Angelegenheit in Khunchom.

An für sich war es kein gutes Zeichen wenn es zu einem Treffen auf der Helburg kam, dies geschah immer dann wenn es die Gemahlin des Höllenwallers in Nymphenhall nicht erfahren sollte.

Denderans Blick glitt über die Anwesenden, allen Voran saß der Baron auf dem uralten Herrscherstuhl, in priesterkaiserlichem Stil, angetan in seinem schwarzen Gehrock und dem Barett auf dem Haupt. In seinem Schoß kauerte sein favorisiertes, nebachotisches Kurzohr, und obwohl bekannt war, wie sehr der Herr Baron diese Karnickel Art - ein Geschenk des Barons von Haselhain - verabscheute, an diesem Albino mit den bösartigen roten Augen hatte er einen Narren gefressen. Fast schon überraschend sanft streichelte er durch dessen weißes Fell. Wie der Höllenwaller selbst, nach außen ein strahlendweißes Fell aber im Inneren von einer Härte und Bösartigkeit die seinesgleichen suchte. Denderan gefiel dies, der Höllenwaller wusste was er wollte, und verstand es sich zu nehmen.

Neben ihm stand Hauptmann Neunfinger auf der einen und Mortus von Helburg und die Vögtin auf der anderen Seite, sechs Schritte vor ihm kniete ein Tulamide, den Denderan nicht kannte und auch nicht kennen wollte. Hinter diesem stand Malphias der Zuchtmeister, alles andere als zufrieden.

Zwei weitere sehr entfernte Verwandte aus Djeristan jenseits des Walles standens seitlich. Diese hartgesottenen Kerle wirkten auch eingeschüchtert. Der kniende Tulamide gehörte anscheinend nicht zur direkten Verwandtschaft.

Der Baron beachtete sein Erscheinen nicht weiter und fuhr mit seinem Disput fort, so stellte sich der Pfiffenstock einfach an die Seite, gegenüber den beiden Djeristanim und verfolgte das Geschehen.

„Herr, es war nicht meine Schuld, der Hartsteener muss gewarnt worden sein. Ich habe alles getan was ihr verlangt habt.“

„Schweig!“, grollend erklang die Stimme des Höllenwallers. „Eure Ausflüchte interessieren mich nicht weiter. Viel Gold floss über den Wall den Mhanadi hinab und für was? Für nichts und wieder nichts. Wie schwer kann es sein diesen Trottel zu überwachen, der sein Gold regelrecht verschleudert. Und dann soll er über Nacht einfach spurlos verschwunden sein. Ihr habt versagt, und ich dulde kein Versagen.“ Mit dem Zeigefinger glitt der Höllenwaller an der an der Kehle des Karnickels entlang, und sein Blick streifte den Zuchtmeister.

Der Tulamide wollte gerade erwidern, ganz konzentriert auf die Wahl seiner Worte bemerkte er die fließende Bewegung hinter ihm nicht. Mit einem feinen Schnitt zog Malphias seinen seltsamen Dolch durch dessen Kehle. Gurgelnd und mit aufgerissen Augen brach der Tulamide unter den ungerührten Blicken der Anwesenden zusammen und war auf der Stelle tot. Ein überraschend gnädig schneller Tod. Doch das Exempel wirkte, was Denderan deutlich an den Gesichtern der Djeristanim ablesen konnte. Mortus winkte zwei Diener herbei und diese schafften die Leiche hinaus. Ab in die Klamm, wie es hier üblich war. Niemand würde die Leiche je finden.

Ohne weiteres wandte sich der Höllenwaller nun an Denderan, „Ah, mein Freund, da seid ihr ja gerade zur rechten Zeit eingetroffen.“. Mit einem Winken seines Zeige- und Mittelfingers deutete er dem Hofkaplan an näher zu treten. Derweil er mit grollender Stimme sich an die anderen wandte. „Lasst uns allein.“

Sofort entfernten sie sich, und als die Türen zuschlugen und die Schritte verhallt waren, sah der Höllenwaller von seinem Karnickel wieder auf und Denderan mit einem undeutbaren Blick in die Augen. Auch wenn er es unterdrückte, ein klein wenig mulmig wurde es dem eigentlich gestandenen Pfiffenstock doch. Zuweilen war der Herr Baron recht unberechenbar, vorallem in seiner Laune die er aus der Ferne mitgebracht hatte.

„Mein Freund, Ihr seht wie ich mit Versagern verfahre. Doch so wie ich strafe, weiß ich gute Dienste auch zu entlohnen. Und ihr habt mir seid ihr hier seid stehst bestens gedient. Mir ist zu Ohren gekommen, was ihr euch wünscht, endgültig Fuß zu fassen und ein Teil dieses Landes zu werden. Doch bevor ich diesen Wunsch erfüllen werde, erwarte ich einen weiteren kleinen Dienst von euch.“

Denderan sah den Baron mit zu Schlitzen geformten, aber glänzenden Augen an. "Sollte es sich tatsächlich erfüllen, 'Härr'?“

„Solch ein Ereignis soll gebührend gefeiert werden, mit einem Festmahl natürlich. Und zum Hauptgang erwarte ich eine regelrechte Delikatesse. Etwas was so ohne weiteres niemand anderes auf die Tafel bekommt.“

Denderans Herz pochte schneller, „Was immär ihr wunscht, Härr, äs soll sain!“

Die Finger des Höllenwallers vergruben sich in dem Fell des Karnickels, welches beinahe ängstlich zu zittern begann, sich dann aber entschied nach dem Finger zu hacken. Was der Höllenwaller - ganz der Vater dieses blutigen Wesens - erst zornig, dann mit einem stolzen Lächeln quittierte und dem Tier fies gegen die Nase schnippste.

„Gut, sehr gut.“, und mit einem daimonischem Leuchten in den Augen beugte sich der Höllenwaller zu ihm und wisperte ihm seinen Wunsch ins Ohr.