...der Rest ist Geschichte

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"Und Du bist Dir wirklich sicher?" , fragte Ginaya von Alxertis ihren Sohn Sequim, dabei dessen Antwort bereits erahnend; schließlich hatte Sie ihn großgezogen.

"Ja, Mutter das bin ich. Es ist alles gut durchdacht. Die Blutslinien, die Namen, die politischen Vorteile. Dazu sieht Elissa auch noch sehr gut aus und wir verstehen uns seit unserem ersten Treffen auf dem seltsamen Rat der Landvögtin prächtig. Ich denke, ein Traviabund dürfte daher sehr im Interesse und zum Nutzen unserer Familie sein - und meines eigenen, natürlich."

"Na wenn das so ist, dann hilf Deiner alten und etwas begriffsstutzigen Mutter mal ein wenig auf die Sprünge," erwiderte die perricumer Ratsherrin mit spöttischem Unterton.

"Mutter, ich werde mich hüten, Dich 'alt' zu nennen und 'begriffsstutzig' gleich gar nicht.
Aber gut. Tatsache ist, dass wir in den Lehen nördlich des Darpats bisher wenig präsent sind. Mit meiner Vermählung böte sich eine fast schon einmalige Gelegenheit, dies zu ändern. Zudem würden wir dort gleich in eine Baronsfamilie einheiraten und hätten über etwaige Kinder die Möglichkeit, mittelfristig Einfluss auf die Geschicke der Baronie nehmen zu können. Auch sind Elissas Halbgeschwister gleichfalls nicht ohne Bedeutung: Der Halbbruder befehligt das Bombardenregiment, die Halbschwester ist mit dem Erben der Baronie Zackenberg verheiratet. Auch wenn es sicherlich nicht einfach sein dürfte: Ich sehe in alledem eine Vielzahl guter Gelegenheiten für uns! Außerdem trägt meine Auserwählte einen großen Namen, egal wie unbedeutend sie selbst im Gefüge dieser mächtigen Familie sein mag. Deren Glanz und Reputation könnte also auf uns abfärben - auch alles andere als ein Nachteil.
Apropos 'Nachteil': Dieser bestünde in meinen Augen lediglich darin, dass meine Auserwählte von illegitimer Geburt ist. Zweifelsohne ein Makel, welcher aber von den gerade genannten Vorteilen um ein Mehrfaches aufgewogen wird, zumal der Markgraf mit ihrer Abkunft keine Probleme zu haben scheint. Und zu guter Letzt: Ich will sie!

Ginaya runzelte ungläubig die Stirn, sie kannte ihren Sohn. Sein Wille trübte gerade seine Fähigkeit zu urteilen. Eine uralte Schwäche der Männer dieser Blutlinie. Doch das konnte Sie ihm schwerlich vorwerfen. Die Götter gaben ihm viel, doch nicht alles, was nötig war um zu herrschen.
"Ich sehe, Du hast Dein Möglichstes getan. Also gut, dann werden wir sehen, ob wir da mit der Familie der Braut überein kommen. Informiere die Baronin darüber, dass ich mit einer Eheschließung zwischen euch prinzipiell einverstanden bin, so gewisse Absprachen eingehalten werden. Die Details werden wir dann beizeiten über den Ehevertrag regeln.

Ach ja, eines noch: Wie genau habt ihr euch eigentlich kennengelernt?"

Nun, wir hatten schon auf der Eröffnungsfeier des Rates miteinander gesprochen, wenngleich damals eher über Belanglosigkeiten. Beim Turnier saßen wir beide zufällig nebeneinander, als wir Zeuge wurden, wie der alte Arnulf von Waltern beim Tjost aus dem Sattel gehoben wurde und sich beim Aufprall auf dem Boden das Genick brach. Elissa und ich hatten den Mann schon vorher beobachten können und uns gefragt, warum jemand in seinem Alter und mit seiner angegriffenen Konstitution noch an einem Turnier teilnahm. Das war für uns pure Selbstüberschätzung, die sich bitter und vor allem endgültig rächen sollte. Nun ja, der Tod Arnulfs sollte sich für meine Braut und mich als vorteilhaft erweisen; denn darüber kamen wir erst ins Gespräch und dann anderweitig näher. Der Rest ist Geschichte, wie man so schön sagt."

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"Habt Ihr euch das auch gut überlegt, Euer Hochgeboren? Das ist schließlich kein kleiner Schritt!"

"Nein, mein guter Rickenberg, das habe ich nicht," erwiderte die Baronin mit sarkastischem Unterton, "ich pflege Traviabünde immer aus einer Laune heraus zu schließen."

"Verzeiht, Herrin, ich meinte -"

"Schon gut, schon gut. Ich weiß was ihr meint. Ja, ich habe mir das gut überlegt. Ja, ich weiß, dass mein zukünftiger Gemahl mit der Eheschließung auch die Zukunft seiner ehrgeizigen Familie im Blick hat. Aber er mag mich, ich mag ihn - Ehen sind wahrlich schon unter schlechteren Vorzeichen geschlossen worden!"

"Mag sein, aber was habt ihr davon, wenn ihr mir diese sehr direkte Frage gestattet? Dass eine niederadlige Familie, die bisher im Norden der Markgrafschaft kaum vertreten war, die Gelegenheit nutzt, dort in den Hochadel einzuheiraten und einen der ihren gar zum Baronsgemahl zu machen, ist ebenso offensichtlich wie aus deren Sicht vernünftig. Aber nochmal: Was habt ihr davon?"

"Erstens: ich werde auch nicht jünger: Wenn ich eine Familie gründen und mein Lehen an meinen Nachwuchs weitergeben will, dann sollte ich allmählich was dafür tun. Und hierfür noch einigermaßen jung zu sein, erleichtert die Sache doch sehr.
Und zweitens: Die Alxertis sind eine in der Markgrafschaft sehr angesehene und weitverzweigte Familie, die sogar einen Sitz im Perricumer Stadtrat hat. Mit ihrer Hilfe kann ich meine Reputation in der Provinz verbessern und vielleicht auch erste Verbündete gewinnen. Soviel habe ich in meiner kurzen Zeit als Baronin bereits gelernt: Hier gönnt keiner dem anderen auch nur das Schwarze unter den Fingernägeln! Vellberg ist eine der ärmsten Baronien Perricums und ich selbst von illegitimer Geburt, wie es so schön heißt. Im Verbund mit den Alxertis kann ich beides längerfristig vielleicht zum Besseren wenden. Denn machen wir uns nichts vor: Mein wohlklingender Familienname allein wird keinen alteingesessenen Adligen beeindrucken. Für die sind Stammbäume weit wichtiger."

"Es scheint alles wohldurchdacht, Euer Hochgeboren. Dennoch rate ich euch dringend dazu, alle für euch wichtigen Punkte in einem Ehevertrag festschreiben zu lassen. Man weiß ja nie."

"Danke für euren Rat, Norholt, aber das habe ich ohnehin vor. Auch wenn ich Sequim sehr mag, heißt das noch lange nicht, dass ich ihm und seiner Familie grenzenlos vertraue. Und diesen Vertrag auszuhandeln, war der Hauptgrund, warum ich euch rufen ließ."

"Das freut mich zu hören. Und ich werde mich umgehend mit der Familie eures zukünftigen Gemahls wegen des Vertrages ins Benehmen setzen.
Eine Frage noch, wenn ihr gestattet: Wie haben Herr Sequim und ihr sich eigentlich kennengelernt?

"Durch den Tod eines alten Mannes.", erwiderte Elissa lakonisch.
"Am Rande des wirklich sehr gelungenen Rates der Landvogtin von Perrinmarsch fand auch ein Turnier statt. Der tattrige Waltern war nicht davon abzubringen, dort in die Schranken zu reiten. Keine Ahnung, ob Selbstüberschätzung oder Altersstarrsinn sein Urteilsvermögen trübten, aber am Ende flog er nicht nur aus dem Sattel sondern gleich weiter über das Nirgendmeer. Sequim und ich kamen darüber ins Gespräch - und mehr. Der Rest ist Geschichte, wie es zuweilen heißt. Und nun entschuldigt mich bitte."

19. Rah 1040 BF
...der Rest ist Geschichte
Wo Ochsen grasen

Kapitel 5

Autor: Wallbrord