Handwerker und Zünfte

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Nicht nur die Handwerker der Städte, auch die Handwerker auf dem Lande schließen sich zu Zünften zusammen, ungeachtet der teilweise recht großen Entfernungen zwischen den einzelnen Werkstätten, weißt doch kaum ein Dorf mehr als einen Meister eines Handwerks auf. Trotzdem, oder vielleicht auch deswegen, sind die Zunftfeste stets ein besonderes und gut besuchtes Ereignis.

Und sollte jeder Stadthandwerker, der einen Überheblich seinen ländlichen Gegenpart schmäht bedenken, daß zwar das Sensenblatt eines Dorfschmiedes dem Auge wenig darzubieten hat, seinen Zweck jedoch um so besser erfüllt. Das wohl bedeutsamste Handwerk, ist das des Müllers, das insbesondere in Garetien einige besondere Vorrechte geniest. Weswegen die Windmühlen, die man in ganz Garetien sieht, in ganz Aventurien ihresgleichen suchen. Angehörige einiger Zünfte findet man hier jedoch nicht, so sucht man in den meisten Dörfern wohl vergebens einen Zuckerbäcker. Gerade auch die Rahja oder Phex zugeneigten Gilden wird man außerhalb der Städte nicht finden, kaum ein Bäuerlein könnte sich den regelmäßigen Besuch bei einer Kurtisane leisten, gar nicht zu reden vom Dorfklatsch, der die liebe Gattin wohl zum Backholz greifen lassen mag. Diebe und Betrüger schließlich werden, so einmal ergriffen, des meistens nur noch eine kurze Spanne unter dem Licht des Herrn Praios verbringen und ziehen es deshalb vor allein und gut versteckt zu leben, so es nicht einfache Straßenräuber sind, die dem Herre Phex aber wohl eher ein Graus.

Einige Handwerke, die in unseren Tagen in fast allen zivilisierten Ländern bekannt sind, stammen gar ursprünglich aus den Stammlanden des Reiches, wo sie früher unter strengster Geheimhaltung ausgeübt wurden. Freilich konnte kaum ein Geheimnis über die Jahre vollkommen geschützt werden - in so manchem Handwerk sind die Gilden Garetiens aber noch heute besser, als die der anderen Provinzen oder des Horasreiches. So stellt etwa die Gilde der Spiegelmacher in Luring noch immer Spiegel her, die weniger schnell abstumpfen und sich trüben und darob begehrt sind, stellt ein großer Spiegel doch gerade für viele Adlige ein teures, aber beliebtes, Objekt des Stolzes dar.

Da die einzelnen Handwerker über einen so großen Bereich verteilt sind, genießen sie meist mehr Freiheit als ihre städtischen Kollegen, stehen aber auch weniger unter dem Schutz der Gilde, die längst nicht so schnell und hart gegen Pfuscher und Fälscher vorgehen kann, wie die Gilden der Städte. Gleichwohl sind die Oberhäupter der mächtigeren Zünfte gut bekannt mit den hiesigen Edlen, Baronen oder gar Grafen und können deshalb auch auf die Unterstützung des Adels rechnen, wenn es um die Durchsetzung der Zunftgesetze geht. Auch reicht der Arm der Zünfte viel weiter, erstreckt sich ihr Einflußbereich meist über eine ganze Grafschaft.

Zuletzt sollen noch die Zunftfeste nähere Erläuterung finden, die meist als großes Volksfest begangen werden. Die Handwerker stellen ihre Waren aus, das Volk vergnügt sich und begutachtet die Stücke, die Meister besprechen die Angelegenheiten der Zunft und die Gesellen feiern mit dem einen oder anderen Krug Bier und rauhen Gesängen.

(J. Gering)